Spezial: Corona: Forderungen
(Langfristige Forderungen, Sozial-ökologische Wende gestalten)

Steckbrief zum Thema Corona: Forderungen / Langfristige Forderungen, Sozial-ökologische Wende gestalten
Sozial-ökologische Wende gestalten

- Regional wirtschaften, globale Produktions- und Lieferketten reduzieren, „Freihandelsabkommen“ beenden! - Energie- und Ressourcen-Verbrauch reduzieren!

Offenbar ist es doch möglich, unsere Lebensweise von einem Tag auf den anderen umzustellen. Die damit einhergehenden Folgen sind ohne Zweifel überaus einschneidend. Aber weitaus schlimmere und langfristigere Einschränkungen wird die nächste absehbare Krise – die Klimakrise – haben. Um sie zu umgehen, müssen wir vorher unsere Wirtschaft und Gesellschaft ändern. Und wir müssen jetzt damit beginnen, um nicht wieder durch eine akute Bedrohung in Panik zu verfallen. Zu welchen Veränderung wir in Deutschland und der ganzen Welt fähig sind, hat die Corona-Krise gezeigt.

Die Entflechtung und Re-Regionalisierung der hochgradig globalisierten Wirtschaft ist erforderlich, denn die weltweiten komplexen Wertschöpfungsketten sind höchst störanfällig für Krisen. Wir brauchen eine sozial gerechte, demokratische und gemeinwohlorientierte Wirtschaft, deren Ziel die gesellschaftliche Versorgung mit sinnhaften Gütern und Dienstleistungen mit dem geringst möglichen Ressourceneinsatz ist. Die Dezentralisierung ist mit der öffentlichen Kontrolle zu verknüpfen, denn eine der wichtigsten Lehren aus der Pandemie ist, dass eine rein kapitalistische Wirtschaft nicht in der Lage ist, vorausschauend und krisensicher zu wirtschaften. Sie ist ungeeignet für die Erbringung von Leistungen der allgemeinen Daseinsfürsorge. Eine regionale krisensichere und sich den ändernden Bedingungen anpassende (resiliente) Wirtschaft basiert auf drei Säulen: 1.) möglichst hohe Selbstversorgungsquoten bei allem, was sich regional erbringen lässt, 2.) dezentrale Energieerzeugung und 3.) möglichst kurze Wertschöpfungsketten. 

Weiterhin benötigen wir eine Transformation der Wirtschaftsweise weg von einer angebotsorientierten hin zu einer bedürfnisorientierten Ökonomie. Eine gerechte Verteilung der Einkommen (Tarifverträge für alle, Erhöhung des Mindestlohnes, sichere auskömmliche Renten etc.) sorgt dabei für die entsprechende Binnennachfrage. Wenn wirtschaftliche Einschränkungen der Corona-Krise zu Insolvenzen führen, soll die Übernahme der Unternehmen durch die Beschäftigten ermöglicht werden. Neugründungen von Genossenschaften müssen verstärkt möglich werden und weitere Elemente der Wirtschaftsdemokratie sollen eingeführt werden, um somit die Mitbestimmung und Beteiligung der Arbeitnehmer an den Wirtschaftsprozessen auszubauen. 

Die klimagerechte Verkehrs- und Energie-Wende sind voranzutreiben. Dazu gehört auch eine intelligente Mobilitätseinschränkung (z.B. keine Inlandsflüge, dafür Eisenbahn-Schnellverbindungen und komfortable Nachtzüge, weniger Präsenz-Meetings und mehr Videokonferenzen). Die Rüstungsindustrie soll umgestellt werden auf sinnvolle Produkte, z.B. Herstellung von Nahverkehrsmitteln mit umweltverträglichen Antrieben. 

Ein Digitalinfrastrukturprogramm zum Netzausbau und -betrieb in staatlicher Hand ist erforderlich. Der Auf- und Ausbau der medizinischen Infrastruktur in öffentlicher Hand ist erforderlich, so dass Reservekapazitäten und Pandemievorsorge gesichert sind. Dazu gehören auch staatliche Unternehmen der Pharma-Produktion und -Forschung sowie von Schutzausrüstung. Auf diesen Gebieten ist für Unabhängigkeit vom Ausland zu sorgen. 

Die gleichen Prinzipien gelten für die Landwirtschaft: Regionale Wirtschaftskreisläufe und lokale Betriebe müssen unterstützt, globale Produktions- und Lieferketten sowie der Energie- und Ressourcen-Verbrauch müssen reduziert werden. Denn unsere heutige Art der industrialisierten Landwirtschaft macht uns Menschen und die Natur kaputt. Pestizide müssen verboten werden weil sie einerseits die Biodiversität einschränken und andererseits die damit "geschützten" Pflanzen weniger sekundäre Pflanzenstoffe bilden, mit denen sie sich selbst schützen würden. Diese sekundären Pflanzenstoffe sind jedoch wichtig für die menschliche Ernährung, denn sie stärken unser Immunsystem. Ausserdem werden immer mehr Monokulturen angebaut (z.B. Soja, begleitet von der Abholzung des Amazonas in Brasilien). Weniger Artenvielfalt bedeutet auch, dass mehr Tiere einer Art in einem Lebensraum leben. Dadurch beschleunigt sich die Ausbreitung von Infektionskrankheiten. Die Lebensräume der Tiere kommen immer näher an Menschen, da Wälder abgeholzt werden. Auch die enge Nutztierhaltung auf wenigen Quaratmetern fördert die Verbreitung von Krankheiten. Deshalb werden dort Antibiotika massenhaft eingesetzt. Über die Gülle gelangen sie in die Umwelt und können Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien erzeugen. Erkranken Menschen an Infektionen mit diesen Bakterien wirken die Antibiotika nicht mehr. Die Massentierhaltung ist ungesund für Tiere und Menschen. Die deutsche Landwirtschaft ist hauptsächlich auf die Produktion und den Export von Fleisch und Milchprodukten ausgerichtet. Dafür werden zwei Drittel der landwirtschaftlichen Nutzfläche benötigt. Auf nur 1% werden Obst und Gemüse angebaut. Zusätzlich werden aber Palmöl und Soja aus armen Ländern importiert. Dazu werden in den Anbauländern jahrhundertealte Urwälder abgeholzt. Das trägt massgeblich zur Klimaerwärmung bei. Wir fackeln CO2-Fänger ab, um mit gewaltigem Frischwasserverbrauch Methanproduzenten zu mästen und dann aufzuessen (18000 Liter Wasser werden bei der Produktion eines Kilos Rindfleisch benötigt). Die zur Erzeugung der jährlich weltweit verzehrten Fleischmenge erforderlichen Nutztiere verzehren so viel Nahrung wie 4 Milliarden Menschen. Die Umwandlungsrate von pflanzlichen in tierische Kalorien beträgt beim Rind 7:1, beim Schwein 3:1 und bei Geflügel 2:1. In den Anbauländern werden bei der Erzeugung der Futtermittel Pestizide in großen Mengen angewendet, die zum Teil bei uns verboten sind. Die Platagenarbeiter arbeiten ohen Schutzausrüstung und werden damit einem erhöhten Gesundheitsrisiko ausgesetzt, ganz zu schweigen von dem Hungerlohn den sie dafür bekommen. Die endlosen Transportwege dieser Produkte verschärfen die Klimakatastrophe (die 15 größten Containerschiffe emittieren die gleiche Menge an klimaschädlichen Abgasen wie alle PKW's auf der Erde zusammen). Deshalb müssen regionale Anbieter bevorzugt werden, die möglichst einen Bioanbau gewährleisten. Dadurch könnten auch die Arbeitswege der Beschäftigten wesentlich verkürzt werden. Wenn es auf dem Land Arbeit gibt, muss nicht mehr in die nächste Stadt zu einem sinnlosen Broterwerb gefahren werden. Bei der Bewältigung der Folgen der Kliamerwärmung muss, wie jetzt zu Zeiten der Coronapandemie, verstärkt auf die unabhängige Wissenschaft gehört werden. Dazu bedarf es mehr staatliche Grundlagenforschung.

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