Spezial: Corona: Analyse zum Thema

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Steckbrief zum Thema Corona: Analyse zum Thema


Versuch einer differenzierten Darstellung der Situation


Unsere Gesellschaft erfährt derzeit eine massive Veränderung, ausgelöst durch ein neues Virus, welches in der Welt bereits viele Todesopfer gefordert hat und gesellschaftliche Verwerfungen zutage trägt.

Die stark unterschiedlichen Fallzahlen der Todesfälle durch diese Pandemie bringen viele gesellschaftliche Missstände zutage, welche ohnehin in der Gesellschaft vorherrschen. Diejenigen, welche über ein höheres Maß an Wohlstand verfügen, haben die besseren Möglichkeiten sich zu schützen bzw. die bessere Krankenversorgung. Das gilt innerhalb nationaler Gesellschaften im Kleinen zwischen Arm und Reich, schlechten und besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen, vor allem aber sieht man das auf großer Skala, weltweit:

„Gefährlich wird die Ausbreitung des Coronavirus jedoch vor allem für Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern“ [1].

In Deutschland konnte die Ausbreitung im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wie Italien, Spanien, Frankreich, insbesondere aber gegenüber Großbritannien und den USA, stark eingedämmt werden. Der Unterschied ist wahrscheinlich hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass das deutsche Gesundheitswesen im Vergleich zu diesen Ländern noch nicht in dem Maße gekürzt und zusammengespart wurde. Ein weiterer Faktor ist wahrscheinlich, dass noch vor dem zwar spät, aber nicht zu spät eingesetzten Lock-Down, die Menschen bereits normale Hygienemaßnahmen zur Vermeidung von Ansteckungen umgesetzt haben. 

Aufgrund dessen, dass die Bundesregierung zunächst alle Warnungen ignoriert, Schutzausrüstung versäumt hat zu beschaffen, und der Bevölkerung suggeriert hat "Für übertriebene Sorge gibt es keinen Grund" (Aussage Jens Spahn in einer Pressekonferenz am 28.01.2020 [2]), dann aber im letzten Moment umsteuern musste und einen kompletten Lock-Down mit schweren Einschränkungen durchgesetzt hat, gibt es auch kritische Stimmen bzgl. der Maßnahmen. Je weiter die Aufarbeitung des Ablaufs der entscheidenden Wochen des Infektionsgeschehens voranschreitet, umso offensichtlicher werden Fehler in der Strategie der Entscheidungsfindung in der Bundesregierung. So hätte beispielsweise nach Dehning et al. [3] ein 5 Tage früher eingesetztes Social Distancing („Corona-Ferien“ - Vorschlag von Prof. Kekulé) die Anzahl der Erkrankten und Toten noch signifikant senken können. Andererseits hätte eine Verzögerung um 5 Tage die Zahl der Kranken immens erhöht und es wäre zum Kollaps des Gesundheitssystems gekommen.  

Die Menschen informieren sich über die Hintergründe, und in der Folge findet eine gesellschaftliche Diversifizierung statt. Viele unterschiedliche Meinungen zwischen den beiden Positionen der bedingungslosen Unterstützer und der massiven Kritiker der Maßnahmen kommen zum Vorschein. Das hängt einerseits sehr mit der unterschiedlichen Betroffenheit der Menschen zusammen. Andererseits erfolgt die Meinungsbildung auf der Basis der jeweils zur Information benutzten Medien. 

Einseitige Positionen, die dabei zutage treten, sind selten der Weisheit letzter Schluss. Vielmehr müssen verlässliche Zahlen der Wahrheitsfindung dienen.

Aber gerade an verlässlichen Zahlen mangelte es sehr lange. Beispielsweise wurde die Zahl der Infizierten nicht ins Verhältnis gesetzt zur Zahl der durchgeführten Tests. Die vom RKI täglich verkündeten Zahlen wurden von den Journalisten nicht hinterfragt. Die öffentlich-rechtlichen Medien haben es versäumt, den Debattenraum weit aufzuspannen, indem sie die Verlautbarungen von RKI und Regierung einfach nur präsentiert haben. Aus ihrer eigenen Sicht kamen sie damit ihrem Informations-Auftrag nach. Sie hielten sich an die im Positionspapier des BMI [4] beschriebene Strategie, mittels Schockwirkung über die Erzeugung von Angst bei den Menschen eine Akzeptanz der Maßnahmen zu erzeugen. Zu einer fundierten und gut erklärenden Information der Bevölkerung hätten jedoch die Informationspolitik und die verkündeten Maßnahmen der Bundesregierung kritisch hinterfragt werden müssen, und der Kreis der befragten Experten hätte viel größer sein müssen. Kritische Stimmen kamen fast nicht zu Wort, und wurden so in die alternativen und sozialen Medien verdrängt. Dadurch war es unmöglich, dass falsche oder strittige Positionen im direkten Austausch der Experten mit unterschiedlichen Meinungen widerlegt werden konnten. Dies trug wesentlich zur Polarisierung der Meinungen in der Bevölkerung bei. Weiterhin verhindert die pauschale Vor-Verurteilung von Menschen mit Begriffen wie „Verschwörungstheoretiker“ oder „Querfront“ den konstruktiven Austausch von Argumenten. Wie unsinnig das ist zeigt das Beispiel, dass im Januar die warnenden Stimmen vor der Gefahr durch das neue Virus als Verschwörungstheoretiker tituliert wurden, wohingegen es jetzt diejenigen sind, die die Rücknahme von Einschränkungen der Grundrechte und die Wieder-Einsetzung des Grundgesetzes fordern.    

Die Position, dass Corona eine ernst zu nehmende Gefahr ist und es deshalb einen staatlichen Handlungsbedarf gibt, wird unter anderem durch folgende Positionen gestützt:

In einem Fachartikel der Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e. V werden unterschiedliche Vorerkrankungen dargestellt und bei vielen dieser Vorerkrankungen nach aktuellem Kenntnisstand vermutet, dass ein schwerer Verlauf der Covid-19-Erkrankung damit einhergeht [5].

Dass schwere Verläufe eher selten auftreten, aber auch bei Personen ohne bekannte Vorerkrankung vorkommen können und auch bei jüngeren Patienten beobachtet werden, beschreibt das Robert Koch Institut (RKI) in seinem Steckbrief „Neuartieges Coronavirus“ [6].

COVID-19-Patienten mit schweren Krankheitsverläufen entwickeln vor allem kritische Lungenentzündungen. Mit Zunahme der Fälle beobachtete man jedoch immer öfter auch Herz-/Kreislaufprobleme oder gar tödliches Multiorganversagen [7].

Die relativ gute Situation hierzulande wird von Prof. Drosten mit den Maßnahmen verbunden. Er kritisiert, dass Kritiker die hierzulande gute Situation auf die Welt übertragen und verweist auf den Blick nach New York oder Spanien [8].

So sind in den USA in einem Zeitraum von wenigen Monaten mehr als 89.100 Menschen wegen des Corona Virus gestorben. [9]. Im Vergleich dazu sind im Vietnamkrieg im Zeitraum von 1961 bis 1975 58.000 amerikanische Soldaten gestorben. Also in 14 Jahren sind 65 % so viele Amerikaner in einem großen Krieg gestorben, wie in wenigen Monaten an Corona [10].

Kritische Positionen gegenüber den durchgesetzten Maßnahmen der Bundesregierung werden beispielhaft im Folgenden genannt: 

Besonders kritisiert werden die Einschränkungen der Demokratie infolge des verhängten Lock-Downs. Der 25. März 2020 war ein „schwarzer Tag für die BRD-Demokratie“, als im Bundestag die Änderung des Infektionsschutzgesetzes beschlossen wurde. Die Änderung legt fest, „wer im Falle einer "Epidemie von nationaler Tragweite" das Sagen hat. Die quasi hoheitliche Feststellung, dass eine epidemische Lage existiere, oblag zunächst noch dem Parlament. Doch dann übertrug es per Gesetz dem Bundesgesundheitsminister nicht nur das weitere exekutive Handeln, sondern auch die legislative Möglichkeit, das eben beschlossene Gesetz selber wieder zu ändern und Maßnahmen per Verordnungen ohne Beteiligung des Bundesrates zu verhängen. Damit hat der Bundestag am 25. März 2020 seine eigene Entmachtung beschlossen.“ [11]  

In einem Thesenpapier zur Pandemie durch SARS-CoV-2/Covid-19 „Datenbasis verbessern - Prävention gezielt weiterentwickeln - Bürgerrechte wahren“, verfasst von mehreren Wissenschaftlern, werden eine Reihe von Vorschlägen für alternatives Vorgehen präsentiert [12]. Sie schreiben u.a., „…dass  adäquate Lösungen  der  derzeitigen  Krise  nur  durch  eine  möglichst breit  aufgestellte  Argumentation  erreicht  werden  können“. Außerdem erscheint die Art der Kommunikation von Wichtigkeit: nach den Prinzipien der Risikokommunikation ist in einer   solchen Situation ein sachlicher und gelassener Austausch von Argumenten geboten, der nichts beschönigt, aber auch nichts unnötig dramatisiert. Alle Beteiligten müssen darauf hinwirken, dass es nicht zu geschlossenen Argumentationsketten kommt, die anderslautenden Nachrichten keinen   Raum mehr geben können. Sie weisen darauf hin, dass Präventionsmaßnahmen wirkungslos werden können, wenn sie nicht Hintergründe wie die initiale Leugnung der Gefährdung oder Kommunikationsfehler berücksichtigen. Als Beispiel nennen sie fehlende Kooperation der Bevölkerung bei fortgesetzter Sanktionsandrohung. Sie präsentieren eine Reihe von Präventionsansätzen und weisen auf die Notwendigkeit eines angemessenen Kommunikationsrahmens hin: „Ein  Kommunikationsrahmen (framing), der auf einer dauerhaften,  unabänderlichen Bedrohungssituation beruht, kann nur kurzfristig aufrechterhalten werden und muss durch positive Botschaften, die auf die Lösungskompetenz der Bürger und Bürgerinnen Bezug nehmen, ergänzt oder besser abgelöst werden.“  


Literaturverzeichnis:

[1] https://www.n-tv.de/infografik/Coronavirus-Pandemie-in-Karten-und-Daten-article21718074.html

[2] T. Schuster, Tagebuch eines Gesundheitsministers, https://heise.de/-4723130

[3]  J. Dehning et al., Science 10.1126/science.abb9789 (2020).

[4] Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen. BMI Strategiepapier

[5] https://pneumologie.de/fileadmin/user_upload/COVID-19/20200428_DGP_BdP_Risikoabschaetzung_chron._LK_SARS-CoV-2.pdf

[6] https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html

[7] https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(20)30937-5/fulltext

[8] https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/112358/Virologe-Drosten-Erhalte-Morddrohungen

[9] https://www.n-tv.de/infografik/Coronavirus-Pandemie-in-Karten-und-Daten-article21718074.html

[10] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/264176/umfrage/gefallene-us-soldaten-in-vietnam/

[11] T. Moser, Auslaufmodell Ausnahmezustand, https://heise.de/-4713464

[12] https://www.bmcev.de/wp-content/uploads/thesenpapier2_corona_200503_endfass.pdf


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